Papierbilder ratzfatz einscannen

Der Scannerverleih mietscanner.de, bei dem ich letztens erst einen Diascanner gemietet hatte, um rund 5000 alte Dias einzuscannen, bietet seit letztem Jahr auch einen Scanner für Papierbilder an.

Wer schon mal viele Papierbilder mit einem Flachbettscanner digitalisiert hat, weiß, wie umständlich das ist: Deckel auf, Bilder auf das Vorlagenglas legen, Deckel wieder zu, Vorschauscan und feststellen, dass sich eins oder alle Bilder leicht gedreht haben. Dann wieder Deckel auf, Bilder ausrichten, Deckel zu und kontrollieren. Wenns dann passt, jedes Bild einzeln scannen oder alle mit einmal und sie danach mühsam per Bildbearbeitung auseinander schneiden. Für eine Handvoll Bilder ist das ok, für hunderte oder tausende ein unglaublich aufwändiger und eintöniger Prozess. Wie schön wäre es, wenn man zumindest den Digitalisierungsprozess beschleunigen könnte.

Weil bei uns in der Familie weit mehr Papierbilder als Dias existieren – mein Großvater hat als Hobbyfotograf viele Stunden in der Dunkelkammer verbracht – interessierte mich das Gerät, nachdem ich mir das Einführungsvideo dazu angeschaut hatte.

Also habe ich ihn bestellt und was soll ich sagen: Geniales Teil.

Bei dem Scanner handelt es sich eigentlich um einen Dokumentenscanner (den Kodak Scanmate i2620), der allerdings auch sehr gut geeignet ist, um Bilder einzuscannen. Anders als die meisten Dokumentenscanner ist er nämlich in der Lage, Bilder mit echten 600 dpi einzuscannen. Die meisten anderen Geräte schaffen nur 300 dpi. Nun möchte man meinen, dass 300 ppi bei einem Papierbild, das selbst nur mit 300 dpi ausbelichtet wurde, reichen sollte, aber die höhere Auflösung des Scanners sorgt für ein größeres Bild, auf dem mehr Details zu erkennen sind. Gerade Personen lassen sich am PC dann besser auseinanderhalten.

Der Scanner ist wirklich schnell. Ich habe hier mal zur Veranschaulichung 36 Bilder in 9×13 eingescannt, wofür das Gerät nur 90 s benötigt:

Der Rest der Zeit geht für die Übertragung zum – hier mitgelieferten – Notebook ab.

Die Bilder kommen ohne Farbstich aus dem Scanner und sehen deshalb genauso aus, wie auf dem Papier. Der Scanner kann Bildgrößen von Passbildgröße bis DIN A4 einscannen. Bilder in unterschiedlichen Größen sollten vorher gestapelt werden, lassen sich dann aber in einen Stapel mit anderen Bildgrößen einscannen.

Auf diese Weise habe ich unter anderem rund 900 alte Schwarz-Weiß-Bilder meines Großvaters in rund zweieinhalb Stunden gescannt, wobei hier auch die Zeit zum manuellen Sortieren der Bilder nach Größe enthalten ist.

Der Scanner allein kostet im Einzelhandel derzeit rund 700 €, zum einmaligen Einscannen einiger hunderter oder tausender Bilder ist es aber günstiger, ihn zu mieten. Ich kenne nun keine anderen Angebote, außer das von mietscanner.de und hier kostet er in der ersten Woche knapp 120 €, jeder weitere Tag schlägt mit knapp 9 € zu Buche.

Der Scanner wird mit einem Notebook verschickt, bei dem schon alles zum Scannen eingerichtet wurde. Also alles auspacken, Scanner und Notebook verbinden, Einführungsvideo anschauen und loslegen.

Woran erkenne ich, ob ein Bild spiegelverkehrt ist?

Derzeit scanne ich rund 5000 Dias meines Onkels, meines Groß- und Urgroßvaters ein. Dazu nutze ich wieder das Angebot von mietscanner.de, das ich vor ein paar Jahren schon mal an den Dias meines Vaters testen konnte und hier beschrieben hatte.

Weil ich beim Kontrollieren der gescannten Bilder nie sicher sein kann, ob das Bild richtig herum oder doch spiegelverkehrt ist, habe ich mir eine kleine Liste gemacht, woran ich erkennen kann, ob das Bild gespiegelt ist. Sicher könnte ich auch jedes einzelne Dia überprüfen, welche Seite zur Scanneinheit zeigt. Aber einerseits bin ich mir nicht sicher, wo sich im Gerät selbst die Scaneinheit befindet und dann ist mir das bei der Menge der Bilder auch viel zu aufwändig. Zudem lässt es sich besonders bei Glasrahmendias nicht so gut erkennen.

Zahlen und Buchstaben

Muss ich – glaube ich – nicht weiter erklären. Wenn ichs lesen kann, dann ist das Bild richtig herum. Schwieriger wirds, wenn ich die Schrift nicht lesen kann (z.B. japanisch). Glücklicherweise gibt´s hier ein technisches Hilfsmittel, dass nahezu jeder immer griffbereit hat. Nämlich das Smartphone. Ich nutze dann den Google-Übersetzer, mit dem ich die Bilder abfotografieren und den Text dann zum Übersetzen markieren kann. Findet er keine Übersetzung, dann spiegele ich das Bild und versuche es noch einmal.

Kleidung

Bei Hemden, Jacken und Hosen von Herren sind ist die Leiste mit den Knopflöchern normalerweise auf der linken Seite von der Person aus gesehen. Bei Damen ist es umgekehrt (Dank an Petra). Armbanduhren werden/wurden traditionell am linken Arm getragen, Eheringe in Deutschland an der rechten Hand.

Straßenverkehr

In den meisten Ländern herrscht Rechtsverkehr, aber natürlich nicht in allen. In der Wikipedia gibt´s dazu eine sehr hilfreiche Liste von allen Ländern mit Linksverkehr, in der auch steht, bis wann er dort gegebenenfalls herrschte.

Fahrzeuge

Ist ähnlich, wie beim Straßenverkehr. Bei uns (Rechtsverkehr) ist das Lenkrad auf der linken Seite, in Ländern mit Linksverkehr auf der rechten Seite. Bei den einzelnen PKW-Modellen kann man sich merken, dass Autos, die in Europa gebaut werden, den Tankdeckel auf der rechten Seite haben. Bei japanischen Autos sitzt er in der Regel links (auch dann, wenn das Lenkrad eines japanischen Autos auf der linken Seite ist). Bei Fahrzeugen, die in Großbritannien hergestellt werden, weiß ich es nicht.

Verschiedenes

Auf eingedeckten Tischen stehen die Tassen rechts von den Tellern. Die Türen bei Flugzeugen zum Ein- und Aussteigen sind immer in Flugrichtung links.

Andere fragen

Wenn ich mit den obigen Punkten nicht weiterkomme, dann frage ich Leute aus meiner Umgebung, die irgendeine Beziehung zu den Motiven auf dem Bild haben könnten. Das mache ich sehr oft bei Fotos von Orten, die sich im Lauf der Jahre verändert haben.

Doppelte Bilder finden und aussortieren

Wer als Hobbyfotograf über die Jahre eine große Bildersammlung aufbaut, kennt folgendes Szenario sicher: Anfangs werden die Bilder hier und dort einsortiert bis man irgendwann seine eigene Ordnung entwickelt. Zwischendrin werden die Bilder auch mal auf verschiedenen CDs, USB-Sticks oder Festplatten zwischengespeichert und mit der zeit herrscht ein Tohuwabohu, welches man irgendwie in den Griff kriegen möchte.

Zum Aussortieren von doppelten Bildern oder Bildern mit ähnlichen Motiven (z.B. aus einer Serie), nutze ich seit einiger Zeit das kostenlose Programm VisiPics des Franzosen Guillaume Fouet.

visipics

Das englischsprachige Programm ist recht einfach zu bedienen. Als erstes sollte über das Menü bei „Options | Languages“ die Sprache auf deutsch umgestellt werden.

Als nächstes werden die Verzeichnisse, in denen die doppelten Bilder vermutet werden über den Verzeichnisbaum (1) in die Verzeichnisliste (2) übernommen werden. Weil das Programm standardmäßig Unterverzeichnisse durchsucht, reicht in der Regel das oberste Verzeichnis aus.

visipics_losgehts

Mit dem Filterregler (3) kann eingestellt werden, nach welchen Unterschieden das Programm sucht. Steht er, wie auf dem Screenshot, ganz oben, dann sucht das Programm nur nach komplett identischen Bildern. Je weiter er nach unten gezogen wird, desto unterschiedlicher können die einzelnen Bilder sein. Das betrifft dann beispielsweise die Bildgröße oder Abweichungen im Bildinhalt.

Hinweis:
Falls das Programm keine Duplikate findet, kann es an den Standardeinstellungen liegen, die Bilder mit Abmessungen größer als 4000 x 4000 px ignoriert. Um diese Beschränkung zu ändern, einfach vor dem Hinzufügen eines Verzeichnisses die „Auswahl der Bilderkriterien beim Laden > kleiner als“ auf „None“ setzen:

2016-05-20_07-39-29

Los geht die Suche letztendlich mit dem Play-Schalter unter (4). Je nachdem, wie begrenzt die Suche nach Duplikaten ist und wieviele Bilder verglichen werden sollen, dauert der Vorgang etwas länger.

Zum Schluss werden die doppelten Bilder in der Liste ganz links angezeigt. Dabei werden gleiche Bilder immer nebeneinander dargestellt. Mit einem einfachen Klick auf die Vorschaubilder werden sie in den Vorschaubereich geholt bzw. zum Löschen oder Verschieben markiert. Wer sich diesen manuellen Vorgang sparen will, kann auch dem Programm die Wahl lassen. Dazu einfach ganz rechts auf die Schaltfläche „Auto-Auswahl“ anklicken und anschließend „Verschieben“oder „Löschen“ auswählen.

Visipics versteht Bilder in den üblichen Formaten JPG, PNG, TIF, BMP, PCX, GIF und TGA. RAW-Dateien werden leider nicht unterstützt, wahrscheinlich auch, weil die Suche in diesen Dateien sehr langsam wäre. Ansonsten ist das Programm kostenlos und auch nur für Windows erhältlich.

Monitor korrekt einstellen, auch ohne Spyder & Co. – Teil 2

Gastbeitrag von Manfred Ritter:
Fotografenmeister – beschäftigt sich mit digitaler Fotografie und Bildbearbeitung. Bietet auch Coaching, Schulungen und Workshops für diesen Bereich an.

In dieser Fortsetzung des Beitrags „Monitor korrekt einstellen, auch ohne Spyder & Co. – Teil 1“ geht es um die Farbabstimmung des Monitors, wenn keine Profilierungs-Hardware vorhanden ist. Auch ohne Spyder und Co. ist es möglich, den Monitor für den Hausgebrauch so einzustellen, daß farbtreue Ergebnisse von Ausbelichtungen und Ausdrucken möglich sind.

Nach der in den Punkten 1 bis 5 des letzten Beitrags besprochenen Helligkeits- und Kontrasteinstellungen geht es hier weiter mit…

Teil 2 – Farbabstimmung des Monitors

1. Referenzbild auswählen

Für die Farbabstimmung ist ein Referenzbild nötig, das in ausreichender Größe als Farb-Referenz dienen kann. Dazu lässt man am besten eine Referenzdatei bei einem Belichtungsdienst auf echtes Fotopapier ausbelichten. Die meisten Geräte sind nämlich deutlich präziser eingestellt, als der heimische Drucker.

Am besten gönnt man sich eine ausreichende Größe, auf der man dann zur Regelung des Monitor-Farbgleichgewichts genügend erkennen kann. Ich rate zu 20×30 cm, mindestens aber 13×18 cm. Viele Ausbelichter bieten schon fertig ausbelichtete Referenzbilder an, zu denen sie dann die passende Datei mitliefern.

Der Photoindustrie-Verband e.V. und CIPHO – Chemieverband Imaging und Photo e.V. in der Karlstrasse 19-21 in 60329 Frankfurt am Main, in dem die meisten Laborgeräte- und Papierhersteller Mitglied sind, hat ein Testset entwickelt, das viele Labore nutzen.

DQ-Tool Monitor Reference file

Ich darf die nötigen Dateien des “Digital Quality Tools” hier zum Download bereitstellen und bedanke mich herzlich dafür.

Dieses Testprint wird von vielen Laborbetreibern auf Anforderung fertig ausbelichtet verschickt. Wer die Datei selber ausbelichten lassen will, dem habe ich diese Datei im Bildformat 13×18 in 300 DPI bereitgestellt.
DQ-Tool Monitor Reference File

Für alle, die’s größer benötigen, habe ich eine Datei für das Bildformat 20×30 vorbereitet, die ebenfalls heruntergeladen werden und zum Ausbelichten geschickt werden kann.

Eine der beiden obigen Dateien sollte fertig ausbelichtet vorliegen, ehe die weiteren Schritte gegangen werden können.

Besitzer von Widescreen-Monitoren sei geraten, die große 20×30 cm-Datei belichten zu lassen, weil ich dafür ein für das Seitenverhältnis solcher Monitore optimiertes Monitortestbild gebaut habe.

Wer sein eigenes Testbild ausbelichten lassen will, sucht sich am besten einen Anbieter aus, der Profile für seinen Belichter zur Verfügung stellt. Die Geräte dieser Anbieter sind üblicherweise sehr gut und farbneutral eingestellt.

Ich lasse meine Testprints immer bei meinem Stammbelichter ausbelichten, weil der sowohl Druckerprofile für seine Maschinen, als auch Belichterformate für FixFoto anbietet, auf das ich mich in meiner Belichter-FAQ beziehe.

2. Testprint zum Ausbelichten schicken

Bitte die Belichter-Druckprofile, so vom Anbieter angeboten, für das Testprint keinesfalls selber in die Testdatei einbinden. Die Testdateien sollten unverändert zum Ausbelichten geschickt werden.Die oft angebotene automatische Optimierung des Belichters sollte ausgeschaltet werden. Bei guten Belichtern lässt sich die automatische Optimierung in der Bestellsoftware abwählen. Wird die Testdatei persönlich im Labor abgegeben, bitte nicht vergessen, den Laboranten auf das Abschalten der automatischen Optimierung hinzuweisen.

3. Referenzbilder für den Monitor

Erst wenn das ausbelichtete Testprint vorliegt, können die weiteren Monitoreinstellungen vorgenommen werden! Dafür wird eine Monitor-Referenzdatei benötigt, die den gleichen Inhalt hat, wie das ausbelichtete Testprint.

DQ-Tool Monitor Reference file
Referenzbild für DQ-Tool (für Monitore mit 1280 x 1024)

Das obige Monitor-Referenzbild für das DQ-Tool ist im Seitenverhältnis der Standardmonitore (1280 x 1024 Pixel) angelegt.

Es enthält im unteren Teil auch ein Testfeld, mit dem das Monitor-Gamma nochmals überprüft und gegebenenfalls angepasst werden kann. Bitte dieses Feld nur im 1:1-Modus (das Bild wird in 100% Größe dargestellt) verwenden.

testprint_20x30monitor

Für das 20×30-Testbild habe ich die Monitor-Referenzdatei im Widescreen-Seitenverhältnis (1680 x 1050 Pixel) angelegt. Auch hier gilt für die Beurteilung des Monitor-Gamma die Vorgabe der 100%-Einstellung.

4. Farbgleichgewicht des Monitors einstellen

Anhand der entsprechenden Felder in den Monitor-Testbildern können vor dem Farbabgleich auch Helligkeit und Kontrast nochmals überprüft werden. Jetzt muß das Farbgleichgewicht des Monitors händisch so eingestellt werden, daß die Farben und Grautöne der Monitoranzeige möglichst genau mit denen des Testbildes übereinstimmen. Die grauen Bereiche des Monitor-Testbildes müssen nun neutralgrau erscheinen. Für den Abgleich des Farbgleichgewichts kann, falls vorhanden, auch noch zusätzlich eine Graukarte herangezogen werden.Bitte unbedingt darauf achten, daß das ausbelichtete Testbild bei neutraler, gleichmäßiger und tageslichtähnlicher Beleuchtung betrachtet wird. Die besten Ergebnisse bringt ein künstliches Raumlicht von Tageslichtleuchtkörpern, wie im vorigen Beitrag beschrieben.

Weitere Infos und Hilfen habe ich auch dort gefunden.

Für eine realistische Monitordarstellung muß deshalb zuletzt noch, falls möglich, die Farbsättigung ein wenig reduziert werden.

5.  Achtung Stolpersteine!

Was zu beachten ist und aus technischen Gründen nicht optimal angepasst werden kann: Ausbelichter arbeiten mit subtraktivem Farbsystem (die drei übereinander gedruckten Grundfarben ergeben Schwarz), während der Monitor additiv darstellt (drei übereinander angezeigte Grundfarben ergeben Weiß).Das bedeutet in der Praxis, daß die ‚Lichtfarben‘ die der Monitor darstellt, auf einem Farbbild nicht erreicht werden können. Alle am Monitor leuchtenden, reinen Grundfarben lassen sich im Farbbild nicht darstellen. Da hilft auch keine Monitor-Kalibrierung.

Tintenstrahldrucker gleichen dieses Manko oft mit zusätzlichen, leuchtenden Farben (Canon) oder optischen Aufhellern in den Tinten aus. Deshalb erscheint ein Tintenstrahl-Bild meistens leuchtender als ein Foto-Abzug. Beim Foto-Abzug sind die Farben dafür natürlicher. Reine Farben, zum Beispiel die eines Firmenlogos, lassen sich meist nur auf Tintenstrahldruckern relativ farbexakt darstellen.


Der Hobby-Bildbearbeiter sollte jetzt, falls er den beschriebenen Weg verfolgt hat, sowohl bei der Bildbearbeitung, als auch mit dem ausbelichteten oder mit dem heimischen Drucker ausgedruckten Bild auf gute, mindestens aber brauchbare Ergebnisse kommen. Werden Bilder zum Ausbelichten gegeben, sollte dann grundsätzlich die automatische Bildoptimierung des Belichters abgewählt werden, um wiederholbare Ergebnisse zu erhalten.

Wer seine Bilder im Web veröffentlicht, sich besondere Mühe bei der Optimierung gegeben hat, wird sich vielleicht fragen, welche Möglichkeiten bestehen, den fremden Betrachter der wunderbar optimierten Galerie zu unterstützen und einem optimalen Betrachtungserlebnis zu verhelfen. Diesem Thema will ich mich demnächst in einem extra Beitrag widmen. Bis dahin wünsche ich viel Spaß bei der Bildbearbeitung und viele schöne, bunte Bilder.

Monitor korrekt einstellen, auch ohne Spyder & Co. – Teil 1

Gastbeitrag von Manfred Ritter:
Fotografenmeister – beschäftigt sich mit digitaler Fotografie und Bildbearbeitung. Bietet auch Coaching, Schulungen und Workshops für diesen Bereich an.

Oft wundert sich der Anwender, wenn er mit viel Mühe mittels FixFoto oder einem anderen Bildbearbeitungsprogramm ein Bild optimiert hat und es anschließend, zum Beispiel als ausbelichtetes Farbbild völlig anders aussieht, als auf dem Monitor.

Das liegt oft daran, daß der Monitor ohne Anpassungen in den Werkseinstellungen einfach nur angeschlossen und benutzt wird. Oft sind die Herstellereinstellungen für die Bildbearbeitung vollkommen ungeeignet. Wie man das selbst, auch ohne große Investition in ein Profilierungssystem (wie dem Spyder) ändern kann, will ich hier nochmal Schritt für Schritt erklären.

Teil 1 – Helligkeit und Kontrast

Ein professionell kalibrierter und profilierter Monitor ist dann unerlässlich, um zum Beispiel für die Zusammenarbeit mit Druckereien (die im CMYK-Farbraum arbeiten) wiederholbare, abgestimmte Ergebnisse zu erreichen. Auch dann, wenn Bilddateien zwischen Benutzern ausgetauscht und in einen profilierten Workflow eingebunden werden sollen, ist die Monitorprofilierung zwingend nötig. Hier sollte, neben einem guten Monitor, unbedingt in Profilierungs-Hardware investiert und die Monitordarstellung damit optimiert werden.

Für alle anderen, die üblicherweise im sRGB-Modus arbeiten, also auch Digital-Drucke, etc., ist eine hardwaremäßige Monitorkalibrierung im Normalfall nicht zwingend nötig. Es genügt, den Monitor visuell von Hand möglichst gut einzustellen. Im sRGB-Modus arbeitet zum Beispiel das Windowsbetriebssystem, die Ausbelichter, die meisten Scanner, Drucker und sonstigen Windows-kompatiblen Zusatzgeräte und auch die meisten guten Monitore. Auch FixFoto arbeitet im sRGB-Modus, kann aber zusätzlich mit hardwareprofilierten Monitorprofilen umgehen.

Wie sollte man nun vorgehen, wenn man keine Kalibrierungssoftware besitzt?

1. Für konstante Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz sorgen

Es sollte keine Beleuchtung unmittelbar auf die Displayfläche des Monitors scheinen. Der Raum sollte möglichst abgedunkelt werden, die Lichtverhältnisse sollten sich den Tag über so wenig wie möglich ändern. Eventuell auch das Display mit schwarzer Pappe oder entsprechender Haube abschatten. Die Arbeitsfläche mit tageslichtähnlichem Licht ausleuchten.

2. sRGB-Modus im Monitor einstellen

Unterstützt der Monitor den sRGB-Modus, sollte dieser in den Monitor-Grundeinstellungen als Standardeinstellung vorgewählt werden. Das Bild könnte dann deutlich wärmer (gelblicher) erscheinen, als mit den voreingestellten Werkseinstellungen. Das ist normal und gewollt. Das Auge des Benutzers gewöhnt sich automatisch daran, also kein Grund zur Panik. Ansonsten wird für den Start am besten ein Bildschirm-Modus mit ca. 6000 oder 6500 K ausgewählt.

3. Kontrast am Monitor voreinstellen

Bei den meisten Röhrenmonitoren sollte als Basis zu Anfang der Kontrast erst einmal auf 100%, bei modernen Flachbild-Monitoren eventuell zwischen 50 und 100% eingestellt werden.

4. Testbild im Bildbearbeitungsprogramm öffnen

Testbild_Bildschirmkontrast
Für größere Ansicht klicken!

In der Bildbearbeitung (nicht im Browser!) das Bildschirmkontrast-Testbild öffnen und möglichst in der Ganzbildschirm-Ansicht anzeigen.

5. Helligkeit & Kontrast justieren

Helligkeit so eindrehen, daß sich beim Bildschirmkontrast-Testbild die beiden Kamera-Piktogramme in der jeweils weißen und schwarzen Fläche eben noch gut vom jeweiligen Hintergrund abheben.

Unter den beiden Kamera-Piktogrammen sind auf jeder Seite drei Zahlenreihen zu lesen. In der weißen Hälfte von unten nach oben 230-230.230, dann 250-250-250 und zuletzt direkt unter dem Kamerapiktogramm 253-253-253. Auf der schwarzen Seite sind die drei Zahlenreihen gleich aufgebaut und enthalten von unten nach oben 060-060-060, 020-020-020 und 010-010-010. Es handelt sich dabei um die RGB-Werte der jeweiligen Grautöne.

Jetzt muß der Kontrast am Monitor in Verbindung mit der Helligkeit wechselweise so eingeregelt werden, daß sich möglichst alle drei Zeilen gerade noch sichtbar vom Hintergrund abheben. Wer in der weißen Hälfte jetzt noch die 253-253-253 und in der rechten Hälfte 010-010-010 sieht, kann sich zu einem sehr guten Monitor gratulieren. Wer nur jeweils zwei Zeilen sieht, kann noch gut Bilder bearbeiten. Wer nur je eine oder auch gar keine der je drei Zeilen sieht, sollte in einen neuen Monitor investieren, wenn damit Bilder bearbeitet werden sollen.

02-kontrast-buea

Die in der obigen Abbildung rot gekennzeichneten Bereiche müssen jetzt weiß, die cyan gekenzeichneten Bereiche schwarz erscheinen. Jetzt sind Helligkeit und Kontrast für die Bildbearbeitung ausreichend gut eingestellt.

Weiter zu Teil 2 – Farbabstimmung des Monitors

Stereofotos leicht gemacht

Eine interessante Richtung der Fotografie ist die Stereofotografie. Ich möchte hier zeigen, wie man ganz einfach und schnell eigene Stereofotos anfertigen kann. Ich benutze dazu die Software „StereoPhotoMaker“ in Verbindung mit „Autopano-Sift“.

Was brauche ich um Stereoaufnahmen zu machen?

Eine einfache Digitalkamera ist völlig ausreichend. Natürlich können alle hier vorgestellten Schritte auch mit analogen Kameras nachvollzogen werden, aber die lasse ich in diesem Tutorial einmal außen vor.

Zunächst ein paar Grundlagen:
Wir können dreidimensional sehen, weil wir zwei Augen haben, die ein Motiv immer aus zwei verschiedenen Blickwinkeln sehen. Unser Gehirn errechnet aus dieses beiden Teilbildern ein einziges Bild mit räumlicher Tiefe. Wie gut das funktioniert, merkt man meist erst dann, wenn man beispielsweise zu tief ins Glas geschaut hat und die Umrechnerei im Gehirn nicht mehr funktioniert. Dann sehen wir nämlich doppelt, also jedes Bild von jedem Auge gleichzeitig.

Um ansprechende Stereobilder zu erstellen müssen Sie für den Anfang aber noch ein paar Kleinigkeiten mehr wissen. So gibt es auch in der Stereofotografie einige wichtige Dinge:

  1. Basisbreite
    Die Basisbreite beschreibt den Abstand der beiden Ausgangsbilder. Damit ein Stereobild natürlich wirken soll, benutzen Sie bei einer Brennweite von 50mm Kleinbildformt entsprechend ca. 6cm Abstand der beiden Bilder, denn so groß ist der Abstand der Augen im Durchschnitt.
  2. Scheinfenster
    Als Scheinfenster oder -ebene bezeichnet man den Punkt, ab dem wir in ein Bild hineinschauen. Dies ist meistens die Mattscheibe des Bildschirms oder das Papier eines Fotoabzuges. Für den Anfang ist es sinnvoll, wenn Sie Ihre Motive hinter dem Scheinfenster montieren.
  3. Nahpunkt
    Der Nahpunkt ist der Teil des Motivs, welcher dem Fotografen am Nächsten liegt. Das kann ein Stein sein oder auch ein Baum. Auch wieder für den Anfang reicht es, wenn Sie sich merken, dass der Nahpunkt etwa 3m vor Ihnen liegt. Alles, was näher liegt, stört den Bildeindruck später nur.

So, nun haben Sie die wichtigsten Grundlagen erfahren, nun gehen Sie raus und schießen ein paar Bilder. Und immer schön drauf achten, dass die beiden Bilder parallel verschoben fotografiert werden. Und keine Angst, dass die beiden Bilder etwas zueinander verkanten, das können Sie später wieder ausgleichen. Wenn Sie wieder da sind, können Sie weiterlesen. 😉

Wie gehts nun weiter?

Nachdem Sie wieder da sind, können Sie Ihre Bilder sichten und schonmal optimieren. Dazu zählen Dinge, wie beispielsweise Helligkeitsanpassungen oder geraderichten des Horizonts. Ich erledige diese Dinge mit FixFoto, denn eine einfacher zu handhabende Software hab ich noch nicht gefunden.

OK, die Bilder sind optimiert, legen wir los:

Zuerst besorgen Sie sich den StereoPhotoMaker (nachfolgend einfach SPM genannt). Anschließend noch Autopano-Sift. Ich erkläre kurz, wozu beide Programme da sind. SPM ist das Programm, in dem Sie aus beiden Bildern ein Stereobild machen. Autopano dient zur Unterstützung und rechnet beide Teilbilder zusammen. Das macht sich besonders dann gut, wenn Sie freihand fotografieren und die beiden Bilder vielleicht nicht hundertprozentig parallel sind oder Sie eins oder beide verdreht haben, was bei Freihandaufnahmen zwangsläufig passiert.

So, ich gehe davon aus, dass Sie beide Programme heruntergeladen und ausgepackt haben. Starten Sie zunächst den SPM. In dessen Einstellungen unter „Bearbeiten/Einstellungen“ tragen Sie auf der letzten Registerkarte (Justage) den Pfad zu Autopano ein. Das Ganze sieht so aus:

Wenn Sie das gemacht haben, schließen Sie den Dialog mit „OK“ und rufen Sie dann die Bilderliste auf (roter Pfeil). Das ist ein Bildbrowser, in dem Sie beide Bilder markieren und dann per Rechtsklick als Stereobild öffnen können (grüner Pfeil):

spm_bilderliste_bilder_laden

Weitere Tipps, wie Sie die Bilderliste optimal nutzen können, hat Werner Bloos auf seiner Homepage beschrieben. Aber machen wir erstmal weiter. Nachdem Sie obige Punkte ausgeführt haben, erscheint das Bild in SPM, schon als Stereobild – in diesem Falle als Anaglyphe.

spm_bilder_geladen

Drücken Sie nun [Alt] + [A], um die beiden Bilder automatisch – via Autopano – auszurichten. Dieser Vorgang dauert etwas, aber wenn er abgeschlossen ist, ist das Resultat schon recht vielversprechend.

Jetzt kann es natürlich sein, dass Sie bemerken, dass an dem Bild irgend etwas verwirrend ist, Sie es aber nicht benennen können. Das liegt meist daran, dass sich ein Teil des Bildes vor dem Scheinfenster befindet. Das mag bei freistehenden Objekten, wie einem Elefantenrüssel spektakulär wirken, bei Motiven, die rings ums Bild weitergehen – wie hier die Wiese im Vordergrund – stört dieser Umstand die Betrachtung sehr. Und das werden wir jetzt beheben. Drücken Sie die [J]-Taste, um die Justagedialog zu öffnen:

Hier sehen Sie Ihr Bild, allerdings als Schwarz/Weiß-Version. Packen Sie nun den oberen, horizontalen Regler an und schieben Sie Ihn ein wenig umher. Meist müssen Sie ihn nach rechts ziehen, damit das Motiv vollständig hinter das Scheinfenster rutscht. Am Besten können Sie am unteren Bildrand beurteilen, ob das Motiv hinter dem Scheinfenster liegt, da dort meistens der Boden ist und dieser dem Fotografen verständlicherweise am Nächsten lag.

Nachdem Sie Ihr Bild nun korrigiert haben, klicken Sie auf OK. Damit Sie bei einer Rot-/Cyanbrille keine zu starken Farben ins Bild bekommen, was gerade bei Rot- und Gelbtönen sehr störend wirken kann, wählen Sie den Modus „Halbton“. Dieser reduziert die Rot- und Gelbtöne und die Bilder sind ausgeglichener, wenn gleich auch nicht mehr so bunt.

Zum Schluß können Sie Ihr Bild abspeichern und anschauen oder herumzeigen.

Noch ein paar Hinweise!

Keine Sorge, wenn die ersten Stereofotos nicht klappen, auch hier gilt: Übung macht den Meister!

Wenn Sie vom Stativ fotografieren möchten, können Sie einen Stereoschlitten kaufen. Den gibts beispielsweise im 3D-Foto-Shop. Für den kleinen Geldbeutel und kleine Kameras reicht auch dieses Teil oder eine Blitzschiene, wie sie beispielsweise Foto-Brenner anbietet. Wenn Sie sich dazu noch eine zweite Stativschraube besorgen, können Sie zwei kleine Kameras dran befestigen und sogar bewegte Szenen fotografieren.

Anaglyphenbilder betrachten Sie am Besten mit Rot-/Cyanbrillen, die Sie hier oder hier oder beim Optiker Ihres Vertrauens bekommen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Pappbrillen besser wirken, als die stabileren Plastikbrillen. Der große Vorteil der Analyphen ist, dass die Bilder sehr groß werden und sich die räumliche Tiefe bei großen Bildern sehr gut darstellen läßt. Nachteil ist die leichte Farbverfälschung.

Wenn Sie lieber farbrichtige Stereofotos erstellen möchten, stellen Sie im SPM den entsprechenden Parallel- oder Kreuzblickmodus ein. Wenn Sie nicht wissen, wie Kreuzblick funktioniert, lesen Sie die sehr gute Anleitung von Ralf Fackinger durch! Bei mir hats ca. eine halbe Stunde gedauert, bis ich den Dreh raushatte. Ralf hat auch in der Fotocommunity ein paar Lehrtafeln hinterlegt.