Fotos per WLAN auf den PC übertragen

Die Fotos für die Tests hier mache ich in der Regel mit meiner kleinen Canon Powershot A650 IS. Diese Kamera hat ein Klappdisplay, mit dem ich die Kamera in ungewöhnliche Positionen zu bringen, aber trotzdem jederzeit den Bildausschnitt und die Belichtung beurteilen kann. Das ist sehr komfortabel, einzig einen Haken teilt sie mit vielen anderen Kompaktkameras.

Das Fach, in dem die Speicherkarte steckt, befindet sich an der Unterseite der Kamera und kann nur dann aufgeklappt werden, wenn keine Schnellwechselplatte angeschraubt ist.

Blockierung des Speicherkartenfachs durch Schnellwechselplatte

Es ist auf Dauer ziemlich nevig, erst die Schnellwechselplatte abzuschrauben, um die Karte entnehmen zu können und sie hinterher mit der frisch geleerten Karte wieder anzuschrauben. Wenn ich Fotos erneut aufnehmen muss, weil die Schärfe nicht passt, artet das in eine Ab- und Anschraub-Arie aus. Das wollte ich mir gern ersparen, also habe ich mir eine Eye-Fi X2 – Wifi-Karte zugelegt.

Dabei handelt es sich um eine SD – Karte, die zusätzlich mit einem WLAN-Modul ausgestattet ist. Die Karte kann, solange sie sich in einem vorher eingetragenen  WLAN-Netzwerk befindet, alle Bilder und Videos von der Kamera direkt auf den Rechner laden. Oder ins Netz.

Eye-Fi Connect X2 4 GB

Mein Exemplar (eine X2 bietet 4 GB Speicherplatz und kann Bilder und Videos übertragen. Auf die Pro X2 passen 8 GB, sie überträgt auch RAW – Dateien und stattet die Bilder mit GPS-Daten aus. Allerdings werden diese nicht per GPS ermittelt, sondern anhand der in der Nähe befindlichen WLAN-Netze. Daher ist das Geotagging ziemlich ungenau und funktioniert nur in Städten am Besten. Auf dem Land, wo es keine WLAN-Netze gibt, stehen auch keine Geokoordinaten zur Verfügung.

Neuerdings gibt es auch von Sandisk Speicherkarten mit der Eye-Fi-WLAN-Technologie. Diese basieren allerdings auf dem etwas langsameren Class 4 – Standard (die Originalen haben Class 6), sind dementsprechend aber auch etwas preiswerter.

Lieferumfang

Im Lieferumfang der Karte befindet sich auch ein USB 2.0 – Kartenleser, der einerseits der Konfiguration der Karte dient, andererseits aber auch als ganz normaler Kartenleser eingesetzt werden kann. Er liest Daten maximal mit rund 19 MB/s und schreibt sie mit rund 16 MB/s auf die Karte. Ermittelt habe ich diese Werte mit der schnellen Sandisc Extreme Pro. Die Eye-Fi-Karte selbst wird mit rund 17 MB/s gelesen und mit rund 12 MB/s beschrieben. Zur kabellosen Übertragung selbst ist der Reader aber nicht notwendig.

Bilder übertragen

Nachdem die Karte das erste Mal im Kartenleser eingesteckt und mit dem Rechner verbunden wurde, muss ein passendes WLAN-Netz eingerichtet werden. Über das werden die Bilder später an den Zielrechner geschickt. Auf der Karte können 32 verschiedene Zugangspunkte gespeichert werden. Wer will, kann seine Bilder auch direkt auf einen FTP-Server oder einige Bildergalerien bzw. Onlinedienste (Evernote, Facebook, flickr, Picasa, SmugMug, Snapfish, Gallery2 und 3) hochladen.

Um die Bilder von der Karte zu transferieren, unterstützt sie verschiedene Möglichkeiten:

Standardmäßig werden die Bilder direkt nach dem Fotografieren auf den Rechner (und ggf. zum Onlinedienst) geladen. Es gibt auch die Möglichkeit, einige Bilder, die per „Schützen“-Funktion der Kamera selektiert werden, entweder zum Onlinedienst oder auf den Rechner zu übertragen.

Falls der Zielrechner nicht eingeschaltet ist, die Bilder dennoch kabellos an diesen übertragen werden sollen, kann der Modus „Weitergeleitete Übertragung“ ausgewählt werden. Dann werden alle Bilder zunächst auf die Eye-Fi – Server geladen und dort später vom Rechner abgeholt.

Und dann gibt es noch die Möglichkeit, Bilder endlos zu übertragen. Dabei werden die ältesten Bilder auf der Speicherkarte wieder gelöscht, falls es während der Fotosession zu Platzproblemen kommen sollte.

Fazit

Ich habe die Eye-Fi X2 jetzt schon einige Wochen in Betrieb und ich muss sagen, dass ich sehr begeistert bin. Die Karte selbst verbraucht aufgrund der WLAN-Geschichte etwas mehr Strom als normale SD – Karten, aber da ich im Büro immer genügend Ersatzakkus zur Verfügung habe, sehe ich da kein Problem. Der Zeit- und der damit einhergehende Komfortgewinn ist beträchtlich und mir die rund 40,- wert. Ich muss in meinem Bearbeitungsprogramm nur noch das passende Verzeichnis einstellen und sehe die Bilder direkt reinlaufen.

Lohnt der Umstieg auf einen USB 3.0-Kartenleser?

Da USB 3 immer mehr Verbreitung findet (jetzt sogar in den neuen Macs) habe ich mir die Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, auch den Kartenleser gegen ein USB 3-Pendant auszutauschen.

Zu diesem Zweck habe ich mir zunächst einen Transcend USB 3.0 Kartenleser besorgt und ihn mit verschiedenen Karten gegen meinen rund 2-3 Jahre alten Hama USB 2.0-Kartenleser antreten zu lassen.

Transcend USB 3.0- Kartenleser voll bestückt

Die Karten

Jahrelang habe ich in meiner Pentax eine Sandisk 2 GB-SD-Karte benutzt, beim Umstieg auf nur noch RAW-Fotos dann mal eine SD-HC von Transcend mit 8 GB Speicherkapazität gekauft. Da sich die Speicherkartenpreise in den letzten Jahren massiv verringert haben, ist letztens noch eine 16 GB-Karte, ebenfalls von Transcend hinzugekommen.

Wenn ich bedenke, dass mein 1 GB-Microdrive vor zehn Jahren noch mit rund 230,- € zu Buche geschlagen hat, sind die rund 12,- für die 16 GB schon unverschämt billig. Der Preisverfall beträgt in diesem Fall 94%.

Testkandidaten

Also habe ich zunächst diese drei Karten gegeneinander antreten lassen. Als langsamste hat sich die Sandisk Ultra II (ganz links im Bild) erwiesen, die mit angeschlossenem USB 2-Reader je 10 MB/s lesen und schreiben kann. Mit angeschlossenem USB 3-Reader kommt sie ganz knapp auf 11 MB/s. Die beiden Transcendkarten (zweite und vierte Karte im Bild) sind etwas schneller. Sie erreichen rund 20 – 23 MB/s beim Lesen und rund 14 – 18 MB/s beim Schreiben. Sowohl im USB 2, als auch in den USB 3-Kartenlesern.

Anhand dieser Ergebnisse war ich ziemlich enttäuscht, denn ein Gegencheck der USB 2.0-Schnittstelle mit meinem 16 GB USB 3.0-Stick zeigt, dass dort maximal 35 MB/s beim Lesen und Schreiben möglich sind. Wenn die Karten diese Zugriffszeiten noch nicht mal erreichen, ist es sinnlos, bei diesen Geschwindigkeiten auf USB 3.0 umzusteigen.

Aber Moment, die getesteten Karten sind nicht die schnellsten, die es gibt, sondern bestenfalls unteres Mittelfeld. Die Geschwindigkeit von SD-Karten wird in Klassen angegeben. So müssen „Class 2“ mindestens 2 MB/s Schreibgeschwindigkeit erreichen. „Class 4“, „Class 6“ und „Class 10“ erreichen jeweils mindestens 4, 6 und 10 MB/s. All diese Klassen verwenden das UHS (Ultra High Speed)-Bussystem der SD-Karten. Um neueren Anforderungen gerecht zu werden, wurde Mitte 2010 neue Bussysteme vorgestellt, namentlich UHS I und UHS II. Ziel ist, höhere Geschwindigkeiten zu erreichen. UHS I-Karten bewegen sich schreibzugriffsmäßig zwischen 50 und 104 MB/s. UHS II-Karten zwischen 156 und 312 MB/s. Wie man sieht, geht auf diesem Sektor noch einiges.

Also habe ich mir für den Anfang eine UHS-I-Karte besorgt (Sandisk Extreme Pro 8 GB) und habe diese gegen die anderen Karten antreten lassen. Der Hama-USB 2.0-Kartenleser liest ihre Daten mit rund 20 MB/s und schreibt sie mit rund 19 MB/s. In den USB 3-Lesern geht das schon fixer. Hier kann sie mit rund 80 MB/s ausgelesen und mit 70-75 MB/s beschrieben werden. Das sind schon ganz andere Werte. Diese Karte ist also rund 4x schneller als die anderen.

Die Kartenleser

Ich hatte mir zunächst den oben schon gezeigten Transcend USB 3.0-Leser gekauft, war aber ob der so erreichten niedrigen Zugriffsraten bei normalen SD-Karten unsicher, ob sie nicht am Kartenleser festzumachen sind. Also habe ich noch einen Kingston nachgeordert und die Zugriffszeiten nochmal mit diesem getestet.

Kingston USB 3.0-Kartenleser voll bestückt

Die Unterschiede der Zugriffszeiten bewegen sich bei den normalen Karten im Bereich von max. 1 MB. Bei der schnellen Sandiskkarte sind die Unterschiede schon signifikanter. Hier ist der Kingstonleser beim Lesen rund 5 MB/s schneller. Beim Schreiben zwischen 1 und 5 MB/s). Beide Kartenleser kommen neben CompactFlash-Karten und Microdrives und auch mit Micro-SD-Karten zurecht, sodass hier keinen Adapter mehr notwendig ist. In den Transcend passen allerdings keine CompactFlash II-Karten, also Microdrives mehr. Sie sind schlicht zu hoch für den Schacht.

Dem Transcend ist ein Kabel von 60 cm Länge beigelegt,  Kingston ist da großzügiger und spendiert seinem Leser ein 1,10 m langes Kabel. Wenn der Reader hinten an den Rechner angeschlossen werden soll, ist das längere Kabel praktischer. Ansonsten kann auch auf ein USB 3.0-Verlängerungskabel zurückgegriffen werden.

In einigen Amazonrezensionen wird bemängelt, dass die Kartenleser zu leicht sind, um sie vorm Wegrutschen zu sichern. Ich finde, das ist unerheblich, weil ich die Geräte eh nur temporär an den Rechner anschließe. Wichtig finde ich, dass beide Geräte unter Windows 7 neu reingesteckte Karten erkennen. Bei dem Hama-Reader ist es notwenig, den Leser jedesmal beim Einstecker einer neuen Karte von der USB-Schnittstelle zu trennen und neu zu verbinden. Das finde ich auf Dauer erheblich lästiger, als ein verrutschendes Kartenlesegerät. Vorallem wenn ich mehrere Karten nacheinander übertragen will. Und zum Schluss hier noch eine Tabelle, die alle gemessenen Werte darstellt. Ich habe mit CrystalDiskMark getestet:

Vergleich USB 3.0 Kartenleser und Speicherkarten

Fazit

Momentan sind schnelle Karten nur dann sinnvoll, wenn die Übertragung von der Karte auf den Rechner schnell gehen soll. Das kann bei Pressefotografen der Fall sein, die ihre Bilder nach dem Shooting schnell zur Verfügung haben müssen. Ich kann mir auch vorstellen, dass es im Urlaub, nachdem man die Karten tagsüber vollfotografiert hat, schön ist, sich nicht so lange mit der Übertragung der Bilder aufhalten möchte.

Ein Rechenbeispiel, was die Übertragungsraten verbildlicht:

Fotografiert man eine 16 GB-Karte voll, dauert die Übertragung auf den Rechner bei einer Standard-Class 10-Karte rund 13 min. Bei meiner getesteten Sandisk Extreme Pro und USB 3.0 sinds nur 3 min. Das ist eine Zeitersparnis von 10 min. Bei 32 GB sinds aber schon 20 min und bei 64 GB rund eine dreiviertel Stunde. Wenn die Übertragungszeit nicht so wichtig ist, reicht also nach wie vor ein USB 2.0-Kartenleser und die normalen, billigen Class 10-Karten.

Ich werde jedenfalls den Kingston behalten, weil er bei der Sandisk Extreme Pro doch ne Ecke schneller als der Transcend ist. Außerdem fühlt er sich etwas hochwertiger an. 😉

Update vom 04.11.2012:
Ich nutze den Reader von Kingston seit Juni regelmäßig und stelle fest, dass er dazu neigt, das Gehäuse von SD-Karten zu beschädigen. Das kommt daher, weil man die Karten beim Reinschieben verkanten kann. Bei einer Karte wurde einer der Stege, welche die Kontakte von einander trennen schon ausgehebelt und ist abgebrochen. Das ist nicht wirklich tragisch, sollte aber trotzdem nicht vorkommen. Beim Reader von Transcend kann die Karte beim Reinschieben ins Gerrät nicht verkantet werden.